Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch, und mit ihr die Notwendigkeit, Elektrofahrzeuge effizient und sicher zu laden. Ein zentrales Element dabei sind die verschiedenen Ladesteckertypen, die sich je nach Region, Ladeleistung und Fahrzeugmodell etabliert haben. Für Neueinsteiger in die Welt der E-Mobilität kann die Vielfalt an Steckern und Ladesystemen zunächst verwirrend wirken. Dieser Beitrag beleuchtet die gängigsten Ladesteckertypen – Typ 2, CCS und CHAdeMO – und erklärt ihre Eigenschaften, Anwendungsbereiche und die Bedeutung für das Laden von Elektrofahrzeugen.
Der Typ 2 Stecker (Mennekes-Stecker): Der europäische Standard
Der Typ 2 Stecker, oft auch als Mennekes-Stecker bezeichnet, ist der in Europa weit verbreitete Standard für das AC-Laden (Wechselstrom). Er wurde von der deutschen Firma Mennekes entwickelt und 2013 von der Europäischen Kommission als Standard für die öffentliche Ladeinfrastruktur in der EU festgelegt [1].
Eigenschaften und Anwendungsbereiche
- Ladeleistung: Der Typ 2 Stecker ermöglicht das Laden mit Wechselstrom. An privaten Wallboxen oder öffentlichen Ladestationen sind Ladeleistungen von 3,7 kW bis 22 kW (dreiphasig) üblich. An manchen öffentlichen AC-Säulen sind auch bis zu 43 kW möglich, wobei dies seltener der Fall ist und meist nur von älteren Renault Zoe Modellen genutzt werden kann [2].
- Aufbau: Der Stecker verfügt über sieben Kontakte: drei für die Phasenleiter (L1, L2, L3), einen für den Neutralleiter (N), einen für den Schutzleiter (PE) und zwei Signalkontakte (CP – Control Pilot, PP – Proximity Pilot). Die Signalkontakte dienen der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation, um den Ladevorgang sicher zu steuern und die maximale Ladeleistung zu vereinbaren [3].
- Verriegelung: An öffentlichen Ladestationen ist der Typ 2 Stecker während des Ladevorgangs verriegelt, um ein unbefugtes Abziehen zu verhindern. Dies erhöht die Sicherheit und verhindert Diebstahl des Kabels oder Unterbrechung des Ladevorgangs.
- Verbreitung: Nahezu alle in Europa verkauften Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride sind mit einer Typ 2 Ladebuchse ausgestattet. Auch die meisten öffentlichen AC-Ladestationen in Europa verwenden Typ 2 Steckdosen.
Der CCS Stecker (Combined Charging System): Der europäisch-amerikanische DC-Standard
Der CCS Stecker (Combined Charging System) ist eine Erweiterung des Typ 2 Steckers und der dominierende Standard für das DC-Laden (Gleichstrom) in Europa und Nordamerika. Er kombiniert die Funktionalität des Typ 2 Steckers für AC-Laden mit zwei zusätzlichen Leistungskontakten für das Schnellladen mit Gleichstrom [4].
Eigenschaften und Anwendungsbereiche
- Ladeleistung: CCS ermöglicht sehr hohe Ladeleistungen, die weit über die des AC-Ladens hinausgehen. Aktuelle CCS-Ladestationen bieten Ladeleistungen von 50 kW bis zu 350 kW und mehr (High Power Charging, HPC). Dies ermöglicht es, die Batterie eines Elektrofahrzeugs in kurzer Zeit (oft 20-30 Minuten für 80% Ladung) aufzuladen [5].
- Aufbau: Der CCS Stecker ist im Grunde ein Typ 2 Stecker, der um zwei dicke Gleichstromkontakte an der Unterseite erweitert wurde. Dies bedeutet, dass ein Fahrzeug mit CCS-Anschluss sowohl mit einem Typ 2 Stecker (für AC-Laden) als auch mit einem CCS Stecker (für DC-Laden) geladen werden kann. Die Kommunikation erfolgt über die gleichen Signalkontakte wie beim Typ 2 Stecker.
- Verriegelung: Auch der CCS Stecker ist während des DC-Ladevorgangs fest mit dem Fahrzeug verriegelt.
- Verbreitung: Die meisten neuen Elektrofahrzeuge, die in Europa und Nordamerika verkauft werden, sind mit einem CCS-Anschluss ausgestattet. Die öffentliche Schnellladeinfrastruktur in diesen Regionen basiert überwiegend auf CCS.
Der CHAdeMO Stecker: Der asiatische DC-Standard
Der CHAdeMO Stecker ist ein Standard für das DC-Schnellladen, der ursprünglich in Japan entwickelt wurde und dort sowie in einigen anderen asiatischen Ländern und in älteren Elektrofahrzeugmodellen weltweit verbreitet ist. Der Name CHAdeMO steht für „Charge de Move“ oder „Charge for Motion“ [6].
Eigenschaften und Anwendungsbereiche
- Ladeleistung: CHAdeMO-Ladestationen bieten typischerweise Ladeleistungen von 50 kW bis 100 kW, wobei neuere Entwicklungen auch höhere Leistungen ermöglichen. Im Vergleich zu CCS ist die maximale Ladeleistung oft etwas geringer, aber immer noch ausreichend für schnelles Laden.
- Aufbau: Im Gegensatz zu CCS ist CHAdeMO ein eigenständiger Stecker, der nicht mit dem Typ 2 Stecker kombiniert werden kann. Er hat eine eigene, robuste Bauform mit mehreren Kontakten für Leistung und Kommunikation.
- Verbreitung: CHAdeMO ist vor allem bei japanischen Herstellern wie Nissan (z.B. Leaf) und Mitsubishi (z.B. Outlander PHEV) verbreitet. In Europa und Nordamerika wird CHAdeMO zunehmend von CCS abgelöst, ist aber weiterhin an vielen Schnellladestationen als Option verfügbar, um ältere Fahrzeugmodelle zu bedienen [7].
- Besonderheit: CHAdeMO ist der erste Standard, der bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid, V2G) in Serie ermöglichte, was bedeutet, dass Energie nicht nur in das Fahrzeug, sondern auch aus dem Fahrzeug zurück ins Netz fließen kann [8].
Weitere Steckertypen und regionale Besonderheiten
Neben den drei Haupttypen gibt es weitere Steckertypen, die regional oder historisch eine Rolle spielen:
- Typ 1 Stecker (SAE J1772): Dies ist der nordamerikanische und japanische Standard für das AC-Laden. Er ist einphasig und ermöglicht Ladeleistungen bis zu 7,4 kW. In Europa findet man ihn nur noch selten bei Importfahrzeugen oder älteren Modellen. Für das Laden an europäischen Typ 2 Ladestationen ist ein Adapterkabel erforderlich.
- GB/T Stecker: Dies ist der chinesische Standard für AC- und DC-Laden. China hat einen eigenen, nationalen Standard entwickelt, der sich von den europäischen und amerikanischen unterscheidet. Für den Import von Elektrofahrzeugen nach China oder den Export chinesischer Fahrzeuge ist dies relevant.
- Tesla Supercharger: Tesla verwendet(e) in Nordamerika einen proprietären Stecker für seine Supercharger-Netzwerk. In Europa nutzen neuere Tesla-Modelle den Typ 2 Stecker für AC-Laden und den CCS Stecker für DC-Laden an Superchargern, da Tesla seine Supercharger-Netzwerk für andere Marken geöffnet hat [9].
Fazit
Die Welt der Ladesteckertypen für Elektrofahrzeuge ist vielfältig, aber mit den Standards Typ 2 für AC-Laden und CCS für DC-Laden hat sich in Europa und Nordamerika eine klare Dominanz herausgebildet. CHAdeMO bleibt ein wichtiger Standard für bestimmte Fahrzeugmodelle und in einigen Regionen, wird aber langfristig voraussichtlich an Bedeutung verlieren. Die Kenntnis der verschiedenen Steckertypen ist entscheidend für jeden Elektroautofahrer, um die passende Ladestation zu finden und sein Fahrzeug effizient zu laden. Die Harmonisierung der Standards ist ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung und Beschleunigung des Übergangs zur Elektromobilität.
Referenzen
[1] Mennekes. (n.d.). Typ 2 Ladestecker – Der Standard für Europa. Retrieved from https://www.mennekes.de/e-mobility/produkte/ladekabel/typ-2-ladekabel/
[2] ADAC. (n.d.). Ladekabel für Elektroautos: Welches passt?. Retrieved from https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/laden/ladekabel-stecker/
[3] GoingElectric. (n.d.). Typ 2 Stecker. Retrieved from https://www.goingelectric.de/wiki/Typ_2_Stecker
[4] CharIN. (n.d.). Combined Charging System (CCS). Retrieved from https://www.charin.global/technology/ccs/
[5] EFAHRER.com. (n.d.). CCS-Laden: So schnell laden Sie Ihr E-Auto wirklich. Retrieved from https://efahrer.chip.de/e-autos/ccs-laden-so-schnell-laden-sie-ihr-e-auto-wirklich_107066
[6] CHAdeMO Association. (n.d.). What is CHAdeMO?. Retrieved from https://www.chademo.com/about-us/what-is-chademo/
[7] The Mobility House. (n.d.). Ladestecker für Elektroautos: Typ 1, Typ 2, CCS, CHAdeMO & Co.. Retrieved from https://www.mobilityhouse.com/de_de/magazin/ladestecker-elektroauto.html
[8] VDE. (n.d.). Bidirektionales Laden: Das E-Auto als Stromspeicher. Retrieved from https://www.vde.com/de/etg/themen/elektromobilitaet/bidirektionales-laden
[9] Tesla. (n.d.). Laden zu Hause und unterwegs. Retrieved from https://www.tesla.com/de_DE/charging
Dr. Jens Bölscher ist studierter Betriebswirt mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Er promovierte im Jahr 2000 zum Thema Electronic Commerce in der Versicherungswirtschaft und hat zahlreiche Bücher und Fachbeiträge veröffentlicht. Er war langjährig in verschiedenen Positionen tätig, zuletzt 14 Jahre als Geschäftsführer. Heute ist er als Odoo-Berater tätig. Seine besonderen Interessen sind Innovationen im IT Bereich.