Viele Hausbesitzer stellen sich im Winter dieselbe Frage: Lohnt sich eine Photovoltaikanlage auch in den dunklen Monaten? Während im Sommer die Erträge hoch sind, sinkt die Stromproduktion im Winter deutlich. Doch wie wenig kommt wirklich an – und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?
In diesem Artikel zeigen wir realistische Zahlen, typische Wintererträge und erklären, was Sie von Ihrer PV-Anlage zwischen November und Februar tatsächlich erwarten können.
1. Warum produziert eine PV-Anlage im Winter weniger Strom?
Der geringere Stromertrag im Winter hat mehrere Ursachen:
- kürzere Tageslichtdauer
- flacherer Sonnenstand
- häufige Bewölkung
- Schnee und Verschattung
Während im Sommer 14–16 Sonnenstunden möglich sind, liegen wir im Dezember oft bei nur 8 Stunden – und davon nicht einmal mit voller Einstrahlung.
2. Monatsvergleich: PV-Ertrag über das Jahr
Ein typischer Jahresverlauf einer PV-Anlage in Deutschland zeigt ein klares Muster:
| Monat | Anteil am Jahresertrag |
|---|---|
| Juni / Juli | je 14–16 % |
| März / April | je 9–11 % |
| November | ca. 3 % |
| Dezember | ca. 1–2 % |
| Januar | ca. 2–3 % |
Rund 70–75 % des Jahresertrags entstehen zwischen April und September.
3. Konkrete Zahlen: Was bedeutet das in kWh?
Beispiel: 10 kWp PV-Anlage
- Jahresertrag: ca. 9.500–10.000 kWh
Winterertrag (November–Februar)
- November: ca. 250–300 kWh
- Dezember: ca. 120–180 kWh
- Januar: ca. 180–250 kWh
- Februar: ca. 350–450 kWh
Gesamt Winter: etwa 900–1.200 kWh
Das reicht nicht für den kompletten Haushalts- oder E-Auto-Bedarf, deckt aber einen Teil davon zuverlässig ab.
4. Einflussfaktoren, die viele unterschätzen
Dachneigung
Während im Sommer flachere Dächer ideal sind, profitieren steilere Dächer (40–50°) im Winter vom besseren Einstrahlungswinkel.
Ausrichtung
Süd-Ausrichtung ist weiterhin optimal. Ost-/West-Dächer liefern zwar weniger Winterertrag, dafür oft gleichmäßigere Tagesprofile.
Temperatur
Ein Vorteil im Winter: kalte Module arbeiten effizienter als heiße Sommermodule. Klare, kalte Sonnentage können überraschend gute Erträge liefern.
5. Schnee auf Modulen – großes Problem?
Schnee kann den Ertrag kurzfristig stark reduzieren. In der Praxis relativiert sich das jedoch:
- Schnee rutscht bei geneigten Dächern oft schnell ab
- Ertragsverlust betrifft meist wenige Tage
- manuelles Räumen ist selten wirtschaftlich
Der Jahresertrag leidet durch Schnee meist nur minimal.
6. Rolle von Batteriespeichern im Winter
Ein Speicher kann den geringen Winterertrag nicht „vermehren“, hilft aber dabei:
- tagsüber erzeugten Strom zeitversetzt zu nutzen
- Netzstrom zu reduzieren
- Verbrauchsspitzen abzufangen
Die Autarkiequote sinkt im Winter jedoch oft auf 20–40 %, selbst mit Speicher.
7. PV im Winter und E-Auto: realistische Erwartungen
Viele hoffen, ihr E-Auto auch im Winter vollständig mit Solarstrom zu laden. Realistisch ist:
- teilweises Laden an sonnigen Tagen
- Grundladung für Kurzstrecken
- Netzstrom bleibt notwendig
Der große Vorteil der PV zeigt sich vor allem im Frühling, Sommer und Herbst.
8. Wie kann man den Winterertrag sinnvoll überwachen?
Um den realen Ertrag zu verstehen, lohnt sich eine genaue Messung:
- Vergleich von Tages- und Monatswerten
- Erkennen von Verschattung oder Defekten
- bessere Planung von Verbrauch und Laden
Beispiel für ein Energiemessgerät / Smart Meter
9. Häufige Mythen rund um PV im Winter
- „PV lohnt sich im Winter gar nicht“ – falsch, sie liefert immerhin Grundstrom
- „Schnee zerstört den Ertrag“ – meist nur kurzfristig
- „Ohne Speicher bringt PV nichts“ – ebenfalls falsch
Photovoltaik ist eine Jahresinvestition – nicht nur eine Sommertechnik.
10. Fazit: Wie viel Strom kommt im Winter realistisch an?
Eine PV-Anlage liefert im Winter deutlich weniger Strom – aber nicht nichts. Je nach Anlagengröße können Haushalte mehrere hundert Kilowattstunden selbst erzeugen und Netzstrom sparen.
Der Schlüssel liegt in realistischen Erwartungen: Photovoltaik deckt im Winter einen Teil des Bedarfs und glänzt über das Gesamtjahr hinweg. Wer das versteht, wird nicht enttäuscht – sondern langfristig profitieren.
Dr. Jens Bölscher ist studierter Betriebswirt mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Er promovierte im Jahr 2000 zum Thema Electronic Commerce in der Versicherungswirtschaft und hat zahlreiche Bücher und Fachbeiträge veröffentlicht. Er war langjährig in verschiedenen Positionen tätig, zuletzt 14 Jahre als Geschäftsführer. Heute ist er als Odoo-Berater tätig. Seine besonderen Interessen sind Innovationen im IT Bereich.